Italien-Tour - Teil 8


Wettbewerb Champions League
Datum & Uhrzeit 23.10.2019, 21:00 Uhr
Spiel FC Internazionale Milano - BV Borussia 09 Dortmund
Eintritt 75€
Ergebnis 2:0 (1:0)
Spielort Stadio Giuseppe Meazza, Milano
Spielort Kapazität 80.018
Zuschauer 65.673 (5.000 Gäste)
Eintrittskarte Richtige Eintrittskarte


An der M5-Endhaltestelle San Siro angekommen, ging es mit dem Tross nach draußen. Oben an einer Treppe, direkt vor dem U-Bahn-Ausgang, standen sie wieder: Die Afrikaner aufgereiht und Weg versperrend, antatschend und mit Drohkulisse. Ich hatte schon wieder die Schnauze voll. In der Heimat würden die Typen das vor dem Stadion ein mal machen und schon gäbe es eine Keilerei. Aber in Mailand dominieren anscheinend die Touri-Eventis, sodass das einfach dazu gehört. Direkt vor dem Stadion ging es ja weiter. Gemütlich die zahlreich aufgebauten Stände abklappern, Essen, Trinken oder die Fanartikel begutachten ist da einfach nicht. Sobald du dort eine halbe Sekunde die Ruhe rein bringst, wirst du direkt angesprungen. Da kannst du dich entscheiden, abgezogen und bedrängt zu werden oder dich einfach zu verpissen. Ciao, ciao. Dann doch lieber die Variante, bereits über zwei Stunden vor Spielbeginn ins Stadion zu gehen. Andere blöde Touris lächeln sogar noch beim sich abziehen lassen. Wer weiß, wieviel Geld die heute schon in der gesamten Stadt abdrücken mussten. Unnormal und dein „Erlebnis Mailand“ ist auf einmal gar kein Erlebnis mehr, sondern Puls 180 und Schnauze voll von der Stadt.

Das ist sowas von schade, wenn man bedenkt, welche Imposanz das Giuseppe Meazza ausstrahlt, sobald man aus der U-Bahn kommt und dieses Monstrum an Geilheit vor dir auftaucht.

So, also über zwei Stunden vor Spielbeginn rein. In einem Stadion wie dem San Siro jetzt auch nicht unbedingt die schlechteste Alternative. Da hat man genug Zeit, sich das geile Teil mal ganz genau anzuschauen, das dauert ja schließlich auch seine Zeit bei der Größe. Treppe rauf, Treppe runter, Foto Foto, dem Gästeblock bei den Spielvorbereitungen zusehen, von der Brüstung aus das Treiben vor dem Stadion beobachten. Die Zeit kriegt man schon rum.

Das Spiel begann dann schon schneller, als einem lieb war. Dortmund zeigte zu Beginn des Spiels eine Choreo, bestehend aus gelben Schwenkfahnen. Der Block war das ganze Spiel über in der Mitte, von einer großen Fahne mit dem Vereinswappen, geteilt. Die Stimmung auf beiden Seiten war richtig gut, Dortmund mit vielen Bengalen, einzeln über die Zeit abgebrannt. Nach den Toren von Inter fanden perverse Jubelstürme statt. Alles, was konnte, stürzte sich vor zu den Barrikaden. Eine Massenexplosion. Direkt nach dem verschossenen Elfmeter wurde auf der Haupttribüne ganz oben ein Bengalo gezündet. Da hat sich wohl jemand zu früh gefreut. Das Ding wurde dann einfach lieblos in den Unterrang fallen gelassen. Nach Spielschluss gab es eine Gästeblocksperre von einer halben Stunde, zumindest laut Ankündigung. Wie lange es in der Realität war, kann ich nicht beantworten. Ich habe mich dann ganz schnell aus dem Stadion begeben, da ich zwar noch einige Zeit bis zur Rückfahrt hatte, die Metro in der Nacht aber irgendwann den Betrieb einstellt. So bin ich mit hunderten anderen Kaputten zur U-Bahn gestürzt. Vermutlich herrscht hier, ein paar Minuten später, das totale Chaos. Die U-Bahn kann nur eine begrenzte Anzahl Leute aufnehmen und im Millisekunden-Takt sah man die noch verfügbare Anzahl an der Anzeige gen 0 rauschen. Zum Glück habe ich mich letztendlich für die Endstation San Siro entschieden und nicht für die Haltestelle danach, die auch direkt am Stadion ist. Davon abgesehen, dass darin dann sowieso kein Platz mehr gewesen wäre, war die Station auch geschlossen. Nicht die dümmste Idee. Die U-Bahnen, die dort lang kommen, sind nun sowieso überfüllt, ohne Chance auf Einstieg.

Ich habe es also gleich mit der ersten Tranche in den Schacht geschafft und konnte damit relativ entspannt wieder zum Hotel Lima fahren und meinen Rucksack abholen. An der Rezeption begrüßte mich der selbe Monsieur wie am Vormittag. Er war jedoch ziemlich verwirrt. Irgendwas lief wohl nicht richtig mit seinen Zetteln und meinem Rucksack. So sehr, dass er sogar an sich selber zweifelte. Ich erkannte ihn vom Morgen wieder. Er mich auch? Keine Ahnung. Jedenfalls musste ich den armen, verwirrten Mann wieder verlassen und als letzte „Touretappe“ die Metro zum Busbahnhof nehmen. Dieser war die ganze Nacht stark belebt. Viele Busse fuhren an und ab. Die Wartehalle und die Bahnsteige waren voll, sogar die Getränkehändler hatten ihre Stände noch offen. Der Pizzadienst sah darin auch ein Geschäft und kam auf gut Glück mit Getränken und Pizza vorbei, um es unter die Leute zu bringen. Ein Security-Mensch beobachtete die ganze Zeit das Geschehen. Hier ist es auf jeden Fall viel kurzweiliger als an den ZOBs in Berlin oder München. Viele Interfans (aus dem deutschsprachigen Raum) tummelten sich ebenfalls hier. Wie bereits am Vortag in Turin, mussten viele das Spiel gleich nochmal in der Zusammenfassung auf dem Handy ansehen.

Die Rückfahrt mit Umstieg in Freiburg ging lang, aber ganz gemütlich. Ein kleines Highlight war noch ein Typ, der sich in den dreckigen Gang zum Pennen gelegt hatte.

Am Abend, nach ungefähr 18 Stunden Fahrt, war ich dann wieder zu Hause.



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