Italien-Tour - Teil 2


Wettbewerb Serie A
Datum & Uhrzeit 20.10.2019, 12:30 Uhr
Spiel US Sassuolo Calcio - FC Internazionale Milano
Ergebnis 3:4 (1:3)
Spielort Stadio Città del Tricolore, Reggio nell’Emilia
Spielort Kapazität 21.584
Zuschauer 17.935 (5.000 Gäste)


5:30 Uhr klingelte im Venezianischen Hostel der Wecker, um pünktlich den Zug nach Reggio Emilia zu bekommen. Das eigentliche Heimstadion von Sassuolo ist das Stadio Enzo Ricci, welches aber nur eine Kapazität von 4.000 besitzt und somit nicht mal für die Serie B zugelassen ist. Als Sassuolo 2008 in Diese Aufstieg, spielte man die Heimspiele in Modena. 2014 stieg Sassuolo erstmalig in der Vereinsgeschichte in die Serie A auf und konnte die erste Liga bis heute verteidigen. Dafür zog man dann ins Stadio Città del Tricolore nach Reggio Emilia um. Das Stadion kennen viele auch, da Atalanta Bergamo dort seit Jahren seine Europapokalspiele austrug (Dieses Jahr spielt man die Champions League im Mailänder San Siro). Der heimische AC Reggiana spielt hingegen in der Serie C.

Auf der Zugfahrt konnte ich das Stadio Alberto Braglia vom Modena FC aus der Serie C spotten, welches direkt am Bahnhof liegt. Angekommen in Reggio Emilia sah erstmal alles nach toter Hose aus, auch auf dem Weg zum Stadion war nicht viel los zum Sonntag Vormittag. Nur einige dunkle Gestalten, die den Bahnhof und den Busvorplatz zum Rumlümmeln benutzten.

Am Stadion war dann knapp zwei Stunden vor Spielbeginn schon einiges los. Lange Schlangen an den Tickethäuschen, Essens- und Fanartikelstände von beiden Vereinen. Der Gästeblock der Mailänder war schon weit vor dem Spiel sehr gut gefüllt, währenddessen die Heimseite noch ziemlich leer war. Da ich ja noch nicht die großen Erfahrungen aus Italien habe und aufgrund der Repressionen der letzten Jahre und dem damit verbunden Abstieg des italienischen Fußballs und der Fanszenen, habe ich natürlich auch nicht unbedingt die wichtigen Informationen über die Vereine und Fanszenen parat. US Sassuolo hat seinen Aufstieg dem Präsidenten Giorgio Squinzi zu verdanken. Er übernahm 2002 den Verein, seine Firma ist Namensgeber des Stadions in Reggio Emilia. Nicht verwunderlich also, dass der Verein, der die meiste Zeit in seiner Historie in der vierten Liga verbracht hat, eine ziemliche bescheidene Fanschar besitzt. Giorgio Squinzi ist Anfang diesen Monats mit 76 Jahren nach längerer Krankheit gestorben. Das Auswärtsspiel von Sassuolo in Brescia wurde deshalb abgesagt. Zum heutigen Spiel gab es einen längeren Videobeitrag über ihn und seine Arbeit für den Verein auf der Leinwand, ein Abschiedsvideo. Danach ließ man vom Mittelkreis hunderte schwarze und grüne Luftballons gen Himmel steigen. Dies wurde mit einem großen und langen Applaus des Stadions, einschließlich des Gästeblocks, bedacht. Mit Spielbeginn gab es für den verschiedenen Präsidenten auch eine Choreografie. Sie bestand aus seinem Bild mit schwarz-grüner Krawatte und schwarz-grünem Schal, sowie schwarzen und grünen Zetteln mit einem Spruchband „Uomo di Valore Presidente illuminato Cuore Neroverde“, was übersetzt in etwa so viel bedeutet wie: „Der geschätzte Mann und Präsident erleuchtete das schwarz-grüne Herz“. Darunter stand auf den Werbebanden bei schwarz-grünem Hintergrund „Grazie Giorgio“.

Die Choreo war noch gar nicht richtig beendet, da stand es schon 0:1 für Inter. Daraufhin entwickelte sich ein starkes Spiel mit sieben Toren und zwei Abseitstoren. Das Ergebnis war das Können zweier richtig guter Mannschaften. Nach den Toren von Inter wurde der Gästeblock jeweils für einen Moment brachial laut, aber auch ansonsten war es eine starke Leistung, die dort im rappelvollem Gästeblock abgeliefert wurde. Die Haupttribüne war ebenfalls fest in Inter-Hand. Kurz vor dem Halbzeitpfiff kam aus dem Nichts ein Paraflighter ins Stadion geflogen und landete unter tosendem Applaus auf dem Rasen. Von allen Spielfeldseiten kamen nun Ordner und Offizielle angerannt und begleiteten ihn vom Feld. Die Ordner-Aktion wurde allerdings mit Pfiffen quittiert. Diese Szene soll es am Abend sogar in die Sportschau geschafft haben. Trotz 4:1-Führung musste Inter am Ende noch ziemlich zittern, konnte den Sieg aber über die Zeit retten. Nach Abpfiff gingen die Spieler zum Gästeblock für ein paar kurze Feiereinlagen. Der Großteil der Spieler schmiss die Trikots wahllos in die Menge, die sich darum natürlich halb prügelten. Nach wenigen Minuten verließ ich dann das Stadion in Richtung Bahnhof, wo der Zug mich dann eine viertel Stunde nach Parma mitnahm.




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