RB Leipzig: Schluss mit den Totschlag-Argumenten

Erstellt am 16.05.2017
Zuletzt geändert: 18.05.2017 - 21:35 Uhr



Der Artikel wird regelmäßig erweitert und aktualisiert.

VIelleicht sind die Argumente noch nicht bis ins letzte Detail ausgereift, aber es der Beginn, eventuell eines Tages das Diskussions-Hamsterrad zu verlassen.

Alle Vereine haben Sponsoren

Red Bull ist kein Sponsor.
Die Red Bull GmbH ist zu 99% Gesellschafter des Fußballunternehmens.[1] Die 50+1 Regel, welche eigentlich dafür sorgen soll, dass keine Firmen oder Privatpersonen zu viele Anteile und dementsprechend Macht in einem Verein bekommen, wurde perfide ausgehebelt und damit ad absurdum geführt.

Das Vorstandsmitglied Oliver Mintzlaff war ein offizieller Mitarbeiter der Red Bull GmbH, als er Geschäftsführer der RasenBallsport Leipzig GmbH wurde. Schon da arbeitete er als "Head of Global Soccer", um sich da um die Fußball-Aktivitäten der Firma Red Bull zu kümmern.[2]

Die 17 (Stand: März 2016) stimmberechtigten Mitglieder kommen fast alle aus dem Umfeld von Red Bull. Darüber hinaus ist gibt es in ganz Deutschland keinen Fußballverein, welcher eine Mitgliedschaft, wie bei RasenBall, quasi unmöglich macht. Das Ziel ist klar: Einfluss von außen (wobei sich "außen" hier als außerhalb der Red Bull GmbH definiert) soll verhindert werden.

RB hatte Ende 2015 Verbindlichkeiten in Höhe von über 50 Millionen Euro an Red Bull. Bei Sponsoren werden solche Gelder als Zuwendungen aufgeführt. Da Red Bull jedoch kein Sponsor ist, müssen diese In diesem Fall als Darlehen angegeben werden.[1]

Neid

Ein Verein lebt vom Vereinsleben. Das Spiel am Wochenende gehört zweifellos dazu. Ob die Mannschaft jedoch 0:5 verliert oder 5:0 gewinnt, spielt für das Vereinsleben so gut wie gar keine Rolle.

Ebenfalls spielt für einen Fußballfan der sportliche Erfolg seines Vereins eher eine Unterordnete Rolle. Natürlich möchte man jedes Spiel einen Sieg davon tragen, träumt von Europapokal und Meisterschaft. Das ist ein Ziel, welches die Meisten anstreben. Doch in einem Verein ist sportlicher Erfolg nur ein minimaler Punkt.
Ältere Blickfang Ultra Ausgaben befassten sich mit dem Thema "Warum der sportliche Erfolg meines Vereins nicht das Wichtigste ist". (Wer die passende Ausgabe und den genauen Wortlaut nennen kann, bitte mitteilen)

Es geht um das Miteinander, gemeinsame Veranstaltungen, die Repräsentation nach Außen, das Angebot nach innen. Es geht darum, seinen Verein jeden Tag leben zu können und nicht nur zwei Stunden am Wochenende.
Fanprojekte helfen dabei, Jugendlichen Perspektiven zu bieten. Fangruppen unterstützen soziale Projekte. Manche haben das Vergnügen, eine offizielle Tätigkeit im Verein zu übernehmen. Dutzende Tätigkeiten außerhalb des Fußballsports werden geboten. Einfache Treffen - Bier trinken, unterhalten und Spaß haben, künstlerische Aktivitäten, Vorträge. Dazu kommen natürlich auch sportliche Veranstaltungen. Fußball-Fanturniere oder einfaches Bebbeln auf einem Ascheplatz. Boxen, Wasserball, Eishockey und und und. Neben dem reinen Spaß, wird natürlich versucht, den Verein voran zu bringen. Mal bauen Fans das eigene Stadion mit, mal die Geschäftsstelle. Die wochenlange Vorbereitung auf einen Spieltag, Lieder ausdenken, Choreografien basteln, Mottofahrten organisieren. Dabei die stetige Verbesserung und Einbeziehung von noch mehr Fans. Die komplette Repräsentation des Vereins nach Außen. Schaffen, was vorher niemand schaffte. Den Verein zu etwas göttlich-unsterblichen werden zu lassen. Besser sein, als alle anderen. Die Herausforderungen mit anderen Vereinen suchen. Mit Mitteln, die man selber beisteuern kann.

Der Fußballwettbewerb verliert immer mehr an Bedeutung. Die zweite und dritte Liga ist derzeit (Stand Mai 2017) hochkarätiger als die erste Liga. Weltmeisterschaften werden zur Farce, anscheinend ist die ganze Veranstaltung ein einziger riesiger Betrug, dem auch noch Millionen Nicht-Stadiongänger vor dem Fernseher zujubeln. In den europäischen Wettbewerben, vor allem in der Champions-League, wird alles versucht, diese Veranstaltung zu einem exklusiven Club werden zu lassen. "Fremde" haben es unheimlich schwer, herein zu kommen bzw. sich darin durchzusetzen. Der DFB versucht mit immer neuen aberwitzigen Lizensierungsregeln, die überhaupt nicht notwendig sind, sein Produkt Bundesliga immer weiter, besser und perfekter zu formen. Selbstverständlich nicht aus sportlicher, sondern aus marketingrelevanter Sicht. Sehr viele Fans, die jede Woche ins Stadion gehen, haben rein gar keine Verbindung (mehr) zur Nationalmannschaft. Drücken entweder aus Trotz anderen Nationalmannschaften die Daumen oder lassen Länderspiele gar komplett an sich vorbei gehen. Es ist aufgrund dieser Entwicklungen kein Wunder, dass über die Hälfte der Fußballfans dem Profifußball den Rücken kehren will.[4] RB Leipzig ist also mittlerweile in eine Sphäre eingetaucht, die für den Großteil völlig uninteressant ist. Eine Sphäre, in der mittlerweile viele ihren eigenen Verein überhaupt nicht mehr sehen wollen.

Vielmehr ist RB das Flaggschiff einer so negativen Entwicklung, welche man sich vor einigen Jahren noch gar nicht ausmalen hätte können. Wenn das Argument des Neides zutreffen würde, dann würde es FC United of Manchester, Austria Salzburg, Chemie Leipzig, die neu gegründeten Steaua Bukarest, HFC Falke, FC Portsmouth und und und nicht geben.
Bei all diesen Vereinen haben tausende Fans dem Ursprungverein den Rücken gekehrt, um in den unteren Ligen einen Neustart anzufangen. Die Hauptursache ist die zunehmende Kommerzialisierung im Verein. Tausende Fans, welche sich eindeutig gegen sportlichen Erfolg durch unzumutbare Zustände wenden. Die lieber in der Kreisliga spielen, als einen (Inter)national erfolgreichen Verein zu unterstützen, dessen Vereinspolitik aber moralisch nicht vertretbar ist. Menschen, denen es wichtiger ist, für Werte, Moral und gegen den damit aufgezeigten Verfall der Gesellschaft zu kämpfen, anstatt als einzige Intention für das "Fan sein" das Aufplustern, Angeben und Wichtig machen Montags auf der Arbeit zu besitzen.

RB ist gut für den deutschen Fußball - sportliche Sicht

Hier stellt sich als allererstes die Frage, was dieser Satz eigentlich genau bedeutet? Die Menschen, die mit so einem Argument kommen, meinen damit zwei Dinge:

  1. Der Kampf um die deutsche Meisterschaft wird spannender, da der FC Bayern München ernsthafte Konkurrenz bekommt und der Meistertitel wieder schwerer zu erlangen sein wird.
  2. Deutschland wird in den internationalen Wettbewerben, vor Allem der Champions-League, von einer Mannschaft vertreten, welche über die Gruppen-Phase hinaus ein ernster Gegner darstellt.

Um die deutsche Meisterschaft spielen jährlich, wenn überhaupt, maximal 2 Mannschaften. International sind jedes Jahr sieben deutsche Mannschaften vertreten. Zusätzlich hält dieses Phänomen lediglich in der Herren-Bundesliga Einzug. Für Frauen- oder Jugendwettbewerbe gilt dies nicht.

In Deutschland nehmen ca. 160.000 Mannschaften am Spielbetrieb teil.[3] Das heißt, diese Menschen definieren "den deutschen Fußball" mit 0,004% der deutschen Mannschaften.
Wieso sollten Menschen zum Sonntag um 7 Uhr aufstehen, um pünktlich um 9 bei ihrer Mannschaft zum Anpfiff auf dem Hartplatz zu sein, wenn "der deutsche Fußball" doch bereits am Samstag 18:30 Uhr stattgefunden hat?
Dies lässt nun bereits erahnen, wie falsch eine solche Aussage ist. Denn über 99% der Vereine und Fußballfans (was nicht mit Erfolgsfans oder Eventfans verwechselt werden darf) betrifft ein erfolgreiches Abschneiden anderer Vereine in Europa oder eine spannende Bundesliga-Meisterschaft doch gar nicht.

Bei den über 20.000 Fußball-Ligen in Deutschland gibt es mehr als genug spannende Meisterschaften, Abstiege und Relegationen. So viel, dass ein Fußballfan die Qual der Wahl hat, wo er sein Fußball-Herz zum Glühen bringen lässt.
Niemand ist dabei auf eine einzige Liga angewiesen. International sollen deutsche Mannschaften gut abschneiden, um als Deutschland gut dazustehen und möglichst viel internationale Startplätze zu erlangen. Doch warum man darauf so besessen ist, kann sich ein rational-Denkender Mensch kaum erklären. Ein Dortmunder wird Schalke auch nicht die Daumen gegen Freiburg drücken, damit Nordrhein-Westfalen eine gute Figur macht. Wie die oberen Zahlen darlegen, wird sowieso nur ein minimaler Bruchteil aller Vereine überhaupt die Chance haben, um die internationalen Plätze zu spielen. Selbst, wenn man nur größere und traditionsreiche Vereine hinein bezieht, die auch jedes Wochenende mehrere tausend Zuschauer zu Heimspielen locken, ist die Anzahl der betreffenden Vereine verschwindend gering.

Wenn RB Leipzig gegen Manchester City gewinnt, bekommt der Hallesche FC auch keine drei Punkte. Ein weiterer Punkt für diese Forderung zeigt den Verfall der modernen Gesellschaft. Denn viele Fans hoffen darauf, dass ihr Verein es leichter hat, einen internationalen Platz zu bekommen, wenn mehr da sind.

Natürlich ist es für einen Bundesligisten mit mehr Startplätzen leichter in die internationalen Wettbewerbe zu kommen. Sollte dieses Denken jedoch ein Ansporn sein? Darauf hoffen, dass andere einem selber einen leichten Weg bieten, den man dann nehmen kann? Den Weg des geringsten Widerstands also?
Wo sind die Menschen hin, die versucht haben, große Ziele zu erreichen, anstatt jeden Tag nur dazusitzen und zu hoffen, dass man durch die Hilfe anderer oder durch Glück sein Ziel erreicht.

RB ist gut für den deutschen Fußball - allgemeine Sicht

Der Fußball befindet sich schon seit Jahren in einer massiven Negativ-Entwicklung, in dem er nur noch dazu dient, Drittpersonen so viel Einkommen wie möglich zu beschaffen.
Der oft verwendete Satz bei Pyrotechnik oder Ausschreitungen hat auch hier seinen berechtigten Platz: "Das hat doch nichts mit Fußball zu tun."

Entscheidungen, die rund um Ligen und Vereine getroffen werden, haben kaum noch sportliche Intentionen, sondern lediglich finanzielle. Der Fußball ist nur noch auf Vermarktung ausgelegt. Sportlichen Erfolg verwendet man als Notwendigkeit, um finanzielle Defizite auszugleichen.

Man "muss" also nicht mehr aufsteigen oder im DFB-Pokal die nächsten Runden erreichen, weil es sich für einen großen und starken Verein so gehört, sondern damit er durch die sicheren Einnahmen finanzielle Sicherung bekommt.
Viele Menschen versuchen die Machenschaften von RB zu rechtfertigen, in dem sie sagen: "Das machen doch alle so. Im Fußball geht es nur noch ums Geld."
Dies ist völlig korrekt, jedoch ein absolut negativer Trend. Was ist nur aus der modernen Gesellschaft geworden, wenn sie diese negative Entwicklungen nicht nur desinteressiert abwinkt, sondern sie noch zur Unterstützung einer noch viel negativeren Entwicklung benutzt.

RB setzt sich an die Spitze eines Trends, den tausende Fußballfans, die ebenfalls in der 5.Liga jede Woche ins Stadion gehen, seit Zeiten weit vor RB versuchen zu verhindern. Und gegen wen kämpfen sie da? Die Windmühlen sind Menschen, die Fußball nur aus dem Fernsehen kennen oder eventmäßig einmalig ins Stadion gehen, um bekannte Leute aus dem Fernsehen einmal live zu sehen.

Jeder Verein würde das Geld annehmen

Dieser Punkt ist sehr schnell aufzulösen. Red Bull hat mit dem SSV Markranstädt nicht ohne Grund einen unbedeutenden Vorstadt-Club übernommen.
Es blieb ihnen schlicht nichts anderes übrig, da sie bei allen größeren Vereinen vom Hof gejagt wurden. Fortuna Düsseldorf, 1860 München und St. Pauli haben allesamt Red Bull mit ihrem Vorhaben wieder vor die Tür gesetzt.[5],[6]



Links

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/RB_Leipzig
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Oliver_Mintzlaff#Fu.C3.9Fball
[3] DFB-Mitgliederstatistik
[4] Situationsanalyse Profifußball 2017
[5] 28.04.2015 - Red Bull wollte den FC St. Pauli kaufen
[6] 28.04.2015 - "Ihr steht doch für feiern und so": Red Bull plante Übernahme von St. Pauli

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