Der Teufelskreis des Fernseh-Fußballs

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Erstellt am 01.08.2017
Zuletzt geändert: 09.08.2017 - 19:40 Uhr



Seit dieser Saison dreht sich die Fernseh-Fußball-Geld-Spirale schneller denn je und die Auswirkungen bekommt man bereits jetzt zu spüren. Der erste Spieltag der Bundesliga ist noch nichtmal gespielt.

Die Top-Spiele der 3.Liga gibt es nur noch per Bezahlung bei der Telekom, die erste Liga darf sich über Montagsspiele freuen und die Einzigartigkeit des deutschen Pokals wird ad absurdum geführt. In der ersten Runde des DFB-Pokals können die Würzburger Kickers nicht in ihrem Stadion spielen, sondern müssen über 100 Kilometer nach Offenbach ausweichen, nur damit Sky es unbedingt als Samstagabend-Topspiel ausstrahlen kann. Eine Verlegung der Anstoßzeit und damit ein Heimspiel für die Würzburger Kickers im eigenen Stadion ist ausgeschlossen. Den Fans wird das Heim-Pflichtspiel gegen einen Bundesligisten genommen. Oftmals der Höhepunkt der Saison, teilweise über Jahre hinweg.

Weitere Pläne, den Europapokal und die Nationalmannschafts-Turniere aus dem Free-TV zu verbannen, liegen bereits detailliert ausgearbeitet in den Schubfächern bereit.


Die Vereine profitieren von höheren Fernsehgeldern. Das macht Spaß und die Verantwortlichen glücklich. Die Fans tolerieren es, denn sie sehen schon den nächsten großen sportlichen Erfolg ihres Vereins. Die Diskussionen haben sich gewandelt. Während es früher darum ging, für welches Spiel man in welchem Block noch am Besten Karten bekommt, geht es heute darum, wann man das Sky-Abo abschließt, da über den eigenen Verein Rabatte winken und man sich diese nicht entgehen lassen wil. Wer will schon das Montagabend-Spiel verpassen, da es ein 500km-entferntes Auswärtsspiel ist und man leider arbeiten muss?

Völlig verkennend, dass dieses blinde Kaufen von Fernseh-Abos erst die Ursache dafür ist, dass das Spiel am Montagabend und nicht Samstag-Mittag stattfindet. Man ist quasi selber die Ursache dafür, dass man das Spiel nicht live im Stadion sehen kann, sondern es vor dem Fernseher verfolgen muss. Man ist ja Fan. Man will ja kein Spiel verpassen und spielt daher dieses perfide Spiel mit und gerät damit in einen Teufelskreislauf.

Hinzu kommt die Tatsache, dass der Fan, welcher eigentlich gar nicht ins Stadion geht, immer mehr an Bedeutung gewinnt und es langsam wichtiger ist, diesem Fan eine tolle Show zur besten Sendezeit zu präsentieren, als sich auf den Ort zu konzentrieren, wo der Fußball stattfindet: Das Stadion. Der Fan mit dem Sky-Abo, der noch nie ein Stadion von innen gesehen hat, ist gleichbedeutend mit dem Allesfahrer, der seit 20 Jahren kein Spiel seines Vereins im Stadion verpasst hat.

Früher hieß es: Du bist Fußballfan, kauf dir eine Eintrittskarte und unterstütze deinen Verein.
Heute heißt es: Du bist Fußballfan, mit dem Sky-Abo kannst du dir eine Lieblingsmannschaft aussuchen und sie überall hin begleiten. Vom Sofa aus.
Die Fans im Stadion werden für den Sofa-Fan regelmäßig vor den Kopf gestoßen. Dieser wiederum regt sich natürlich über die ganzen Chaoten auf, die seinen Fernseh-Abend ruinieren, wenn es mal wieder eine deftigere Protestaktion gibt.

 

Der gemeine Fan im Stadion hat meistens auch noch ein Sky-Abo. Da kann man ja noch die ganzen anderen Spiele sehen und der Verein bekommt dadurch ja auch viele, viele Fernsehgelder.

An England sieht man gerade die große Blase, die damit entsteht. Die Vereine bekommen ein Vielfaches der Vereine aus anderen Ländern, aber bieten keinerlei Mehrwert. Die Mannschaften sind sportlich nicht mehr oder weniger konkurrenzfähig oder erfolgreich. Es ist reine Inflation, welche irgendwann in sich zusammenbrechen wird. Dieses Vorbild ist auch in Deutschland das Ziel.

Solange das noch gut geht, haben wenigstens viele Zweit- und Drittligaspieler die Möglichkeit, auf der Insel etwas für den eigenen Wohlstand zu tun und viele Vereine erfreuen sich immenser Ablösesummen. Der Beginn des nächsten Teufelskreises....

 

Währenddessen kaufen immer mehr Leute das Sky-Abo, weil sie wegen der Anstoßzeiten nicht zu den Spielen können. Das wiederum sorgt für immer noch verrücktere Anstoßzeiten und mehr Fans, die sich ein Sky-Abo kaufen, weil sie das Spiel nicht im Stadion verfolgen können. An diesem Punkt ist es ja dann auch egal, ob das Spiel nun vor der Haustür oder in China stattfindet und so haben einige Personen schon wieder die nächsten Dollarzeichen in den Augen. Aus diesem Teufelskreis kommt man nicht mehr heraus.

Wieso nicht? Man könnte auch einfach das Fernseh-Abo sein lassen, eben mal ein Spiel nicht sehen und stattdessen dem örtlichen Sechstligisten einen Besuch abstatten. Da hätten alle etwas davon. Die Amateurvereine bekommen mehr Zuschauerzuspruch, der Fan hat trotz utopischer Anstoßzeiten seinen Fußball und auf diese Art und Weise würde niemand auf die Idee kommen, noch abstrusere Anstoßzeiten in den Spielplan aufzunehmen, dessen Spiel dann wieder mehr Fans fern bleiben müssen, weil es einfach nicht machbar ist.
 

Fußball gehört in erster Linie in die Stadien.
Glotze aus - Stadion an




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